““Die Bürger von Arad und Dinslaken sollen sich kennenlernen, Verständnis füreinander finden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten freundschaftliche Verbindungen knüpfen.
Insbesondere werden sie sich um eine Zusammenarbeit auf folgenden Gebieten bemühen: Kultur, Sport, Jugend, Erziehung und Bildung, Fremdenverkehr, Wirtschaft.
Um in diesen Bereichen Aktivitäten zu entwickeln, werden die Städte Begegnungen, insbesondere mit Jugendlichen, Lehrern, Künstlern und Sportlern, sowie Fachleuten aus verschiedenen Bereichen durchführen, bzw. sich bildende Initiativen unterstützen.
Konkrete Programme für die Zusammenarbeit werden von beiden Städten festgelegt.
Arad und Dinslaken leisten mit dieser Aufnahme partnerschaftlicher Beziehungen einen Beitrag zur deutsch-israelischen Verständigung und zur gemeinsamen friedlichen Zusammenarbeit.”

Diesen umfassenden Partnerschaftsvertrag unterzeichneten am 26. April 1989 der damalige Bürgermeister Dinslakens Karl Heinz Klingen und der ehemalige Bürgermeister Arads, Abraham Shochat, der damals bereits als Abgeordneter in das israelische Parlament, die Knesset gewählt war und sein Amt als Bürgermeister dafür aufgab.

Man kann sicher - ohne jemandem auf die Füße zu treten - sagen, daß der Vertrag bis heute nur in Teilen umgesetzt wurde. In vielen Bereichen gibt es noch interessante Möglichkeiten zur Vertiefung. Interessant wäre sicherlich ein Austausch im Bereich Wirtschaft und auch zwischen “Fachleuten verschiedener Bereiche”, so daß man voneinander lernen kann. Gerade bei der Integration von Einwanderern, Städteplanung und Erziehungswesen könnten aus Arad auch für Dinslaken interessante Impulse kommen.

  • Im Jahre 1987 wurden die ersten Schritte in Richtung Partnerschaft durch die Reise einer Dinslakener Delegation getan, die vom 8. - 24. April 1987 Israel bereiste. Mitglieder der Delegation waren der damalige Bürgermeister Karl-Heinz Klingen, Jürgen Grafen, damals SPD-Stadtverordneter, Hans Hendgen (damals CDU-Stadtverordneter) und Helmut Schmitz (damals im Kulturamt tätig). Sie besuchten damals Dinslakens überlebende jüdische Bürger in Israel und einige israelische Städte und Gemeinden, um einen geeigneten Partner für Dinslaken zu finden.
  • Weil es bereits Kontakte zu jüdischen Institutionen und ehemaligen Dinslakenern in der Sharon-Ebene zwischen dem Karmel-Gebirge und Tel Aviv gab wurde zunächst dort nach einer geeigneten Partnerstadt Ausschau gehalten. Es zeigte sich aber, daß die Städte dort bereits Partnerschaften nach Deutschland pflegten. Zudem fuhr die Delegation in den Norden Israels, wo auch drusische und arabische Städte und Dörfer besucht wurden.
  • Ein Höhepunkt der Reise war ein Treffen ehemaliger Dinslakener Juden, woran am 16. April 1987 die Eheleute Joseph Rothschild und Dr. Kuno Roth aus Tel Aviv, die Eheleute Ruth und Pinchas Schuber aus Herzlia, Therese Kugelmann, Simol Neumann, Rosel Waller und Miriam Kahn aus Petah Tiqwa, Dr. Siegfried Rothschuld aus Jerusalem, die Eheleute Heinz Bernhard und Inge und Mosche Weißkirch aus Rsihon le Zion sowie Liesel Davids aus Ramat Aviv teilnahmen. Zum Abschluß der Reise fuhren Helmut Schmitz und Hans Hendgen noch nach Rechovot um dort Herrn Dr. Herz, den letzten Leiter des Dinslakener Waisenhauses zu treffen.
  • Bei Gesprächen mit dem Israelischen Städtetag zeigte sich, daß die Wüstenstadt Arad Interesse an einer Partnerschaft mit Dinslaken hatte. Der damalige Bürgermeister Abraham Shochat war auch stv. Vorsitzender des “Städtetages”. Der Verantwortliche für internationale Beziehungen, Herr Avi Rabinowitsch vermittelt einen Besuch in Arad, der am 21. und 22. April 1987 stattfand.
  • Die Dinslakener werden dort sehr herzlich empfangen und sind beeindruckt von Arad und seiner Umgebung. Bürgermeister Karl-Heinz Klingen sagt am Abend des ersten Tages - nach Absprache mit der Delegation - daß man eine Partnerschaft mit Arad anstrebe und daß er dem Rat der Stadt Dinslaken Arad als Partnerstadt vorschlagen werde.
  • Am 8. Mai 1987 wurde diese Empfehlung von den vier Delegationsmitgliedern auch schriftlich niedergelegt und zusammen mit einem sehr ausführlichen Reisebericht dem Rat der Stadt Dinslaken zur Beschlußfassung übergeben. Dort heißt es: “Die Delegation ist der Meinung, daß die Stadt Arad unter den gegebenen Möglichkeiten die beste Voraussetzung für eine Partnerschaft mit sich bringt. Zur Aktivierung der Partnerschaft sollten Maßnahmen insbesondere aus den Bereichen Sport, Kultur und Schule angestrebt werden. Eine besondere Art der Freundschaftskontakte könnten Kuraufenthalte sein, die für Dinslakener Bürger mit den Krankenkassen organisiert werden. (Die Kureinrichtungen in Arad und am Toten Meer haben sich auf die Behandlung von Asthma und Hautkrankheiten spezialisiert.)

Margarete Humpert, stv. Bürgermeisterin besuchte Arad im Juni/Juli 1995, um am Festakt zur Stadterhebung der Gemeinde Arad als Vertreterin der Partnerstadt teilzunehmen.

(Im Bild bei einem Besuch im Büro des damaligen Bürgermeisters Tabib (bis 2003))

Mehr als 3.000 Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Religion nahmen an den Feierlichkeiten am Donnerstag, 29. Juni 1995 teil.

Prominentester Gast war der damalige Ministerpräsident Itzak Rabin, wie auch der ehemalige Bürgermeister von Arad, Abraham Shochat, der zwischenzeitlich als Finanzminister amtierte. Arad’s damaliger Bürgermeister Bezalel Tabib ließ es sich nicht nehmen, den Regierungschef mit Dinslakens stv. Bürgermeisterin bekannt zu machen. Im November des selben Jahres wurde Itzak Rabin (sel. A.) bekanntlich von einem jüdischen Fanatiker erschossen. Mit seinem Tod verlor auch der Friedensprozeß seine Energie. Seine Nachfolger Shimon Peres (1995-1996), Benjamin Netanjahu (1996-1999), Ehud Barak (1999-2001) und Ariel Sharon konnten an die Erfolge des beliebten und bedeutenden Politikers nicht wieder anknüpfen. Die Wahlergebnisse der kommenden Jahre bescherten Israel denn auch eher instabile Regierungen. Im Jahr 2000 gab Ariel ("Arik") Sharon mit seinem umstrittenen Auftritt auf dem Tempelberg den Palästinensern den Vorwand zur Intifada, zum Aufstand. Es war dieser Aufstand, der ihm dann den Sieg über seinen Rivalen Ehud Barak sicherte.

In ihrer Rede zur Stadterhebung betonte Margarete Humpert, daß es den Bürgern Dinslakens sehr wohl bewußt sei, welche “Verantwortung die Stadt Dinslaken gegenüber Israel, Arad und seinen Menschen” habe. Wichtig sei es, so sagte sie damals, daß man durch gegenseitige Besuche, Austauschprogramme und Gespräche noch intensiver als bisher in Kontakt komme. “In diesem Sinne wünsche ich der jungen Stadt Arad und unserem Miteinander eine friedvolle, von Toleranz und Offenheit geprägte Entwicklung. Neben den offiziellen Gastgeschenken überbrachte die stv. Bürgermeisterin auch eine Spende, mit der Bücher zum deutsch-israelischen bzw. deutsch-jüdischen Verhältnis für die Bibliothek der Stadt Arad angeschafft wurden.

  • Als Vertreter der Stadt Arad nahm am 10. November 1993 Dr. Raanan Peltz an der Einweihung des Mahnmals von Alfred Grimm am Platz d’Agen und an der Begegnung mit den ehemaligen jüdischen Bürgern der Stadt Dinslaken teil.
  • Arad’s damaliger Bürgermeister Bezalel Tabib besuchte Deutschland u.a. im Jahre 1996.
  • Ein Gegenbesuch durch den damaligen Dinslakener Bürgermeister Wilfrid Fellmeth fand 1997 statt.

1993 besuchten Jugendliche des ND-Jugendzentrums Israel, 1996 reiste der ND-Instrumentalkreis nach Arad, eine Reise, die während des Besuchs von Bürgermeisterin Margarete Humpert in Arad besprcohen wurde. Im gleichen Jahr war auch der Instrumentalkreis der Stadt Arad unter der Leitung von Rafi Oppenheimer in Dinslaken.

  • Es gab auch zwei Ausstellungen von Künstlern aus Arad in Dinslaken.

1997 war das Jugendblasorchester aus Arad zum Gegenbesuch in Dinslaken (betreut durch nd-Instrumentalkreis).

  • Motoren für die Partnerschaft auf israelischer Seite waren (und sind) Lola Oppenheimer und ihr verstorbener Mann Abraham, der damalige Bürgermeister von Arad Abraham Shochat, der damalige Betzalel Tabib, sowie Dr. Raanan Peltz und Nadia Granitz, die Sprecherin der Stadt.

Das Bild zeigt in der Mitte Abraham Shochat, damals Finanzminister, bis heute Abgeordneter in der Knesset (für die Arbeiterpartei), während der Feierlichkeiten zur Stadterhebung 1995. Mit im Bild die inzwischen verstorbene Ehefrau des damaligen Bürgermeisters Tabib.

Das Theodor-Heuss-Gymnasium pflegt eine intensive Partnerschaft über seine Israel AG mit der ORT-High-School in Arad. Mehr darüber liest man auf den Seiten der Schule: www.thg-dinslaken.de - dort muß man sich allerdings unter “THG-Zeit” die Schulzeitung 2003 herunterladen, die als .pdf mit 3 MB Dateigröße angeboten wird.

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